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Universitätsklinikum Essen
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WICHTIGE INFORMATIONEN ZU DER CORONA-PANDEMIE

Liebe Patientin,

die aktuelle Corona-Pandemie fordert uns alle heraus – Sie als Krebspatientin aber besonders!

Täglich erreichen Sie uns mit wichtigen Fragen rund um Ihre Krebsbehandlung im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Wir nehmen dies zum Anlass, Ihnen mit einer Zusammenstellung der bisher wichtigsten Fragen Hilfestellung zu geben.

Aktuell ist das Wissen um den Umgang mit dem Erreger SARS-CoV-2 relativ begrenzt. Zu den meisten Fragestellungen liegen nur Expertenmeinungen vor; diese gründen sich oft auf Erfahrungen aus dem Umgang mit anderen SARS-Viren.

Mit Ihren Fragen helfen Sie uns, gezielte Nachforschungen anzustellen. Seien Sie also ermutigt, sich mit uns in Verbindung zu setzen, wann immer Sie ärztlichen Rat benötigen.

Nehmen Sie möglichst immer zunächst telefonisch oder per e-Mail Kontakt mit uns auf:           Viele Fragen unserer Patientinnen lassen sich klären, ohne dass eine Vorstellung vor Ort erforderlich wird. So tragen Sie auch zum gegenseitigen Schutz bei und ermöglichen uns das rechtzeitige Vorbereiten von Schutzvorkehrungen für Sie.

Sie erreichen uns täglich zwischen 8-17Uhr unter Tel: 0201-723-2442 (Fr. Nicole Sosnowski) oder via e-Mail unter gynkrebszentrum@uk-essen.de.

Wir wünschen Ihnen für Ihren Behandlungsverlauf alles Gute!

Ihr Team des Gynäkologischen Krebszentrums der Universitätsfrauenklinik Essen

 

Frage: Bin ich als Krebspatientin im Risiko für eine COVID-19 Erkrankung?

Antwort: Grundsätzlich besteht ein Risiko für eine COVID-19 Erkrankung für Personen mit folgenden Risikofaktoren:  

·      Alter >60 Jahre

·      Chronische Lebererkrankungen

·      Lungenerkrankungen

·      Rauchen

·      Diabetes mellitus

·      Krebs

Nach Expertenmeinung haben Krebspatienten alleine durch den Umstand der bösartigen Erkrankung bereits ein erhöhtes Risiko für eine COVID-19 Erkrankung. Dies betrifft aber v.a. solche Krebspatienten, bei denen der Krebs „nicht gut kontrolliert“ ist, d.h. ohne Therapie bleibt.

Frage: Wie kann ich erkennen, ob ich eine COVID-19 Erkrankung habe?

Antwort: SARS-CoV-2 Infektionen (COVID-19-Erkrankungen) zeichnen sich durch einen relativ verzögerten Verlauf aus und lassen den Höhepunkt der Krankheitsschwere mit einer Zunahme der Entzündung in der zweiten Woche erwarten. Die häufigsten Symptome sind Husten und erhöhte Temperatur. Die mittlere Zeit von Ansteckung bis Auftreten erster Symptome beträgt 4 Tage.

Die meisten Krankheitsverläufe sind milde, aber ca. 5% der Patienten werden kritisch krank.

Auch nach überstandener Virusinfektion kann die Virusausscheidung länger anhalten und ein positives Testergebnis verursachen. Krebspatienten bleiben in einem Test generell sogar länger positiv als Gesunde.

Ihr Arzt entscheidet nach klinischer Bewertung (Dauer der Symptomfreiheit), ob und wann eine Krebsbehandlung (wieder) stattfinden kann.

Frage: Sollte meine Krebstherapie zur Zeit der COVID19-Pandemie sicherheitshalber pausiert werden?

Antwort: Nach Expertenmeinung überwiegt der Nutzen einer Krebsbehandlung die Risiken einer möglichen COVID-19 Erkrankung, selbst wenn das Risiko, zu erkranken, durch die immunschwächende Nebenwirkung der Krebsbehandlung erhöht ist.  Es gilt: Eine gut behandelte Krebserkrankung scheint das Risiko für eine schwere COVID-19 Erkrankung zu senken.

Ihr Arzt beachtet, wie Sie die Krebsbehandlung vertragen. Bei auffälligen Nebenwirkungen kann er eine vorübergehende Therapiepause empfehlen.

Eine grundsätzliche Therapieunterbrechung wegen COVID19-Gefahr wird nicht empfohlen – zumal die Dauer dieser Therapiepause aufgrund des unbekannten Pandemieverlaufs bislang auch nicht abgeschätzt werden kann.

Frage: Kann ich als Krebspatient Schutzmaßnahmen vor einer SARS-CoV-2-Infektion ergreifen?

Antwort: Zunächst gelten auch für Krebspatienten die allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen wie Händehygiene, Nies-Etikette und Vermeiden unnötiger sozialer Kontakte.  Machen Sie Ihr soziales Umfeld darauf aufmerksam, dass das Einhalten einer Distanz zu Ihrem Schutz vor einer COVID19-Erkrankung beiträgt. Konkrete Handlungsanweisungen hierzu finden Sie auf der Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (www.BZgA.de).

Darüber hinaus kann auch der Lebensstil (Ernährung, Schlafverhalten, Rauchverzicht) zur Stärkung des Immunsystems und zur Risikosenkung für Atemwegsinfekte beitragen.

Arzt-Patienten-Kontakte sollten zum beiderseitigen Schutz auf das notwendige Maß begrenzt werden. Nehmen Sie – falls nötig – daher zunächst telefonisch oder über sog. Messaging-Dienste Kontakt mit Ihrem Behandler auf: viele Fragen lassen sich telefonisch beantworten oder erlauben eine Abschätzung, ob eine Vorstellung vor Ort unverzichtbar erscheint. Außerdem kann Ihr Behandler so ggf. Maßnahmen zu Ihrem und zum Schutz weiterer Kontaktpersonen vor Ort rechtzeitig einleiten.

Frage: Kann mein Lebensstil zum Schutz vor einer COVID19-Erkrankung beitragen?

Antwort: Neben den allgemeinen Handlungsempfehlungen gilt: alles, was das Immunsystem stärkt, kann zur Risikosenkung beitragen. Hierzu zählen ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung.

Vitamin D wird in diesem Kontext eine besondere Rolle zugeschrieben; nachweislich ist auch das Risiko von Atemwegserkrankungen bei Vitamin D-Mangel erhöht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für alle Altersgruppen eine Vitamin D-Zugabe von 20ug/d, das entspricht 800IE Vitamin D.

Ausreichende Werte sind grundsätzlich auch erreichbar durch Hautexposition im Freien, denn unter Sonnenlicht bildet die Haut Vitamin D. Empfohlen wird dazu ein Aufenthalt im Freien mit unbedecktem Kopf, Armen und Beinen für je ca. 5-30 Minuten an zwei Tagen der Woche zwischen 10-15 Uhr – das ist auch unter derzeitigen Ausgangsbeschränkungen in der Regel möglich.

Vitamin D-haltige Nahrungsmittel können unterstützen: der Vitamin D-Anteil ist besonders hoch in Aal (20ug), Lachs (16ug) und Bismarckhering (13ug).

Patienten mit Bluthochdruck sollten eine gute medikamentöse Blutdruckeinstellung haben, da dies einer der wichtigsten klinischen Risikofaktoren für den Verlauf einer COVID-19 Erkrankung zu sein scheint.

Andererseits gilt: Es gibt kein von Experten empfohlenes Mittel, das man zum Schutz gegen SARS-CoV-2 einnehmen könnte! Schenken Sie also Falschmeldungen, die derzeit zahlreich kursieren, keinen Glauben!

Frage: Ich habe Krebs gehabt, bin aber ohne Hinweiszeichen für ein Fortschreiten der Erkrankung. Eine Krebstherapie benötige ich daher aktuell nicht. Wie wird mein Risiko einer COVID-19 Erkrankung eingeschätzt?

Antwort: Grundsätzlich wird Ihr Risiko als Krebspatient per se als erhöht eingeschätzt – vergleichbar wie bei Vorliegen folgender Risikofaktoren:

-          Alter >60 Jahre

-          Raucher

-          Lungenerkrankungen (z.B. COPD)

-          Chronische Lebererkrankungen (z.B. chron. HepB)

-          Diabetes mellitus

Liegen mehrere dieser Risikofaktoren vor, erhöht sich folglich das Risiko für eine schwere COVID-19 Erkrankung.

Frage: Ich habe Krebs und befinde mich aktuell unter Krebsbehandlung – mein Krebs ist hierunter aber ohne Anzeichen für ein Fortschreiten. Wie wird mein Risiko einer COVID-19 Erkrankung eingeschätzt?

Antwort: Neben den allgemeinen Risikofaktoren (Alter, Nebenerkrankungen), erhöht auch eine immunschwächende Krebsbehandlung das Risiko für eine COVID-19 Erkrankung. Dies gilt für die meisten Chemotherapien.

Auch neue Medikamente (z.B. CDK4/6-Inhibitoren [z.B. Palbociclib, Ribociclib] und PARP-Inhibitoren [z.B. Olaparib. Niraparib, Rucaparib]) können eine Verringerung von Abwehrzellen (Neutropenie) verursachen – allerdings geht dies üblicherweise nicht auch mit einem höheren Risiko für Virusinfekte einher.

Bei sog. Immun-Checkpoint-Medikamenten (z.B. PD1/PDL1-Antikörper [z.B. Atezolizumab, Pembrolizumab]) sollten möglichst lange Therapieintervalle gewählt werden, da hier der Eingriff in das Immunsystem bedeutsam sein kann.

Antihormone, Anti-Her2-Antikörper (z.B. Trastuzumab) oder sog. VEGF-Antikörper (z.B. Bevacizumab) haben keinen immunschwächenden Effekt und können verabreicht werden.

Es finden in jedem Fall – wie sonst auch – regelmäßige Blutwerte-Kontrollen unter Krebsbehandlung statt, die helfen, Ihre Immunlage abzuschätzen. Abhängig von Ihrem Befinden und diesen Messwerten wird Ihr Arzt mit Ihnen individuell entscheiden, wann es besser ist, eine Krebsbehandlung zu unterbrechen/zu pausieren.

Frage: Ich bin Krebspatient und befinde mich aktuell auch unter Krebsbehandlung. Nun habe ich Erkältungssymptome (z.B. Husten, Fieber), ohne dass ich weiß, ob dies durch eine SARS-CoV-2-Infektion bedingt ist. Was nun?

Antwort: Wenn bei Ihnen Symptome eines akuten Infektgeschehens vorliegen (egal ob durch SARS-CoV-2), wird man die Durchführung / Fortsetzung einer Krebsbehandlung pausieren bis zum vollständigen Abklingen der Infektzeichen. Üblicherweise setzt dies eine Fieberfreiheit von mind. 48h voraus. In der Regel weisen auch Blutwertekontrollen auf einen Rückgang der Infektion hin.

Eine zusätzliche Testung auf SARS-CoV-2 wird in dieser Situation empfohlen, wenn folgende zusätzliche Bedingungen zutreffen:

  • Kontakt mit einem sicher SARS-CoV-2-positiven Patienten innerhalb der letzten 14 Tage ODER
  • Aufenthalt in einem vom Robert-Koch-Institut (RKI) ausgewiesenen Risikogebiet innerhalb der letzten 14 Tage.

Frage: Ich bin Krebspatient und befinde mich aktuell unter Krebsbehandlung. Ich habe zwar keine COVID19-Symptomatik, hatte aber einen Risikokontakt, bzw. –aufenthalt innerhalb der letzten 14 Tage. Was nun?

Antwort: Besteht bei fehlenden Symptomen der Verdacht einer möglichen SARS-CoV-2-Infektion („Inkubationsphase“), so wird eine häusliche Quarantäne von mind. 14 Tagen erforderlich, um bei Verdacht auf eine SARS-CoV-2-Infektion den Ausbruch von COVID19 abzuwarten. In dieser Zeit findet keine Krebsbehandlung statt. Liegen nach Ablauf der Quarantänefrist keine Symptome mehr vor, kann die Krebsbehandlung fortgesetzt werden. Bei den meisten Chemotherapien bedeutet dieses Vorgehen das einmalige Auslassen eines Behandlungstermins, der später nachgeholt werden kann.

Frage: Sollte ich als Krebspatient wegen eines erhöhten Infektionsrisiko für SARS-CoV-2 grundsätzlich einen Mund-Nasen-Schutz (MNS) tragen?

Antwort: Bisher ist nicht erwiesen, dass das Tragen eines MNS wirksam vor einer Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus schützt. Nachteilig könnte der MNS sogar sein, wenn dadurch andere wichtige Hygienemaßnahmen vernachlässigt werden, weil der MNS ein falsches Sicherheitsgefühl vermittelt.

Umgekehrt können MNS vermutlich aber helfen, Tröpfcheninfektionen auf andere Personen (beim Sprechen, Husten, Niesen) zu vermeiden. Gleichzeitig sinkt vermutlich das Risiko für Schmierinfektionen, da der unbewusste Griff an Nase und Mund seltener stattfindet.

MNS dienen somit vor allem dem Fremdschutz. Je mehr Personen diesen Fremdschutz anwenden, umso geringer ist erwartungsgemäß das Risiko für jeden Einzelnen. Aus diesem Grund erscheint grundsätzlich jede Maßnahme zur Abdeckung von Mund und Nase geeignet. Auch selbstgenähte MNS können dafür genutzt werden.

Frage: Bin ich als Krebspatient aufgrund eines höher eingeschätzten Risikos für COVID19 von meinem Arbeitgeber freizustellen?

Antwort: Die derzeitige Erkrankungswelle mit COVID-19 berechtigt Arbeitnehmer nicht automatisch, ihrer Arbeit fernzubleiben. Das gilt auch für Krebspatienten, die unter ambulanter Krebsbehandlung zur Arbeit gehen.

Wie sonst auch üblich, kann es aber aufgrund ärztlich eingeschätzter Risiken im Zusammenhang mit Ihrer Erkrankung und/oder Behandlung erforderlich sein, Sie von der Arbeit zu befreien. Hierfür stellt Ihnen Ihr Arzt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus. Mit vorläufiger Frist bis zum 08.04.2020 kann diese Arbeitsbefreiung auch nach „Ferndiagnose“ durch den Arzt erfolgen. Diese Krankschreibung hat eine Gültigkeit von zunächst 7 bis max. 14 Tagen. Nehmen Sie also im Zweifel telefonisch oder via e-Mail Kontakt mit uns auf!

Frage: Ist für mich als Krebspatient eine Impfung gegen Grippe oder Pneumokokken notwendig?

Antwort: Da COVID-Patienten nach bisherigem Kenntnisstand vor allem oft mit schweren Lungenentzündungen betroffen sind, erscheint eine Impfung gegen Pneumokokken als sinnvolle Maßnahme, das Risiko von Begleitinfektionen bei Risikopersonen zu senken.

Trotz der grundsätzlichen Sinnhaftigkeit einer solchen Impfung liegt aktuell nur eine begrenzte Verfügbarkeit von Pneumokokken-Impfstoff vor. Bei Krebspatienten unter laufender Krebsbehandlung bleibt aber evtl. auch eine gute Immunantwort mit ausreichender Antikörperbildung auf die Pneumokokkenimpfung aus – das kann ein Grund sein, unter laufender Therapie eher auf die Impfung zu verzichten. Sprechen Sie uns im Zweifel dazu an.

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