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Universitätsklinikum Essen
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Gynäkologie

Zentrum für Urogynäkologie der Uni-Frauenklinik Essen

In unserem von der Deutschen Kontinenzgesellschaft e.V. (GIH) zertifizierten Kontinenzzentrum in der Universitätsfrauenklinik Essen bieten wir Ihnen eine urogynäkologische Sprechstunde an. Denn ein Großteil aller Frauen leidet ab einem gewissen Zeitpunkt in ihrem Leben unter Senkungs- und/oder Blasenbeschwerden. Typische Symptome sind Druck- oder Fremdkörpergefühl in der Scheide, Blasen- und /oder Darmentleerungsstörungen, häufiger Harndrang bis hin zu unfreiwilligem Harnverlust. Betroffen sind Frauen aller Altersgruppen. Doch nur wenige Frauen erzählen Ihrem Arzt von diesen Beschwerden. Stattdessen verzichten sie aus Sorge vor peinlichen Situationen eher auf Sport, Theater-/Kinobesuche, sowie Treffen mit Freunden und geraten so zunehmend in eine soziale Isolation. Häufig wird auch das Leben in der Partnerschaft belastet. Die Lebensqualität wird stark eingeschränkt.

Dabei sind alle diese urogynäkologischen Krankheitsbilder sehr gut behandelbar. So kann zum Beispiel mehr als der Hälfte aller inkontinenten Patientinnen allein durch konservative Behandlungsmassnahmen geholfen werden. Aber nur etwa 30% aller inkontinenten Patientinnen suchen überhaupt Hilfe beim Arzt.

Ablauf der urogynäkologischen Sprechstunde

Um eine genaue Diagnose zu stellen und eine auf Sie persönlich abgestimmte Behandlungsempfehlung geben zu können, werden wir uns während der urogynäkologischen Sprechstunde erst einmal ausführlich mit Ihnen über Ihre Beschwerden unterhalten.
Im Anschluss erfolgt eine gynäkologische Untersuchung und gegebenfalls eine Urodynamik. Dies ist eine schmerzfreie Untersuchung bei der die Druckverhältnisse in der Blase und der Harnröhre gemessen werden.

Im Anschluss wird mit Hilfe eines Ultraschallgerätes die Funktion Ihres Beckenbodens, sowie Lageveränderungen der Blase und Harnröhre insbesondere beim Husten und Pressen und das Verschlusssystem der Harnröhre untersucht.

In manchen Fällen erfolgt zum Schluss noch eine Blasenspiegelung, um die Schleimhaut und Muskulatur der Blase zu beurteilen. Auch diese Untersuchung erfolgt in der Regel schmerzfrei.

Im Anschluss besprechen wir sämtliche Befunde und die daraus folgenden Behandlungsempfehlungen ausführlich mit Ihnen.

Da die Problematik sehr vielschichtig ist, bitten wir Sie entsprechend etwas Zeit einzuplanen.

Erläuterung zu den häufigsten Krankheitsbildern:

Was ist das?
Von Descensus oder Senkung spricht man, wenn der Beckenboden seine Spannung verliert und die Organe (Gebärmutter, Scheide, Blase und Enddarm) sich senken und im fortgeschrittenen Fall im Scheideneingang sichtbar werden.
Was sind typische Beschwerden?
Durch die Senkung des Beckenbodens kommt es insbesondere beim Husten, Niesen und schwerem Heben zu einem Fremdkörpergefühl, oft mit Druck nach unten kombiniert, in der Scheide. Manchmal kommt es auch zusätzlich zu häufigem Harndrang und unwillkürlichem Urinverlust.
Warum habe ich das?
Sehr häufig tritt eine Senkung in Zusammenhang mit Geburten, angeborener Bindegewebsschwäche, schwerer körperlicher Tätigkeit und Adipositas auf. Oft wird die Senkung mit zunehmendem Alter ausgeprägter. Eine chronische Verstopfung und häufiger Husten sind ebenfalls förderlich für die Entwicklung oder das Fortschreiten einer Senkung.
Was kann ich selber tun?
Durch Gewichtsreduktion, Beckenbodengymnastik und Stuhlregulation lässt sich oft schon eine Besserung der Beschwerden erreichen.
Wie kann man das darüberhinaus behandeln?
Eine Senkung kann sowohl konservativ, als auch operativ behandelt werden. So kann einer Vielzahl von Patientinnen z.B. durch die Einlage eines Pessars geholfen werden. Ein Pessar ist ein Würfel oder Ring welcher in die Scheide eingelegt wird und einen Teil der Hebefunktion des Beckenbodens übernimmt. Durch das Pessar werden die Organe, insbesondere Gebärmutter und Scheide wieder angehoben, das Druckgefühl verschwindet und auch eventuell vorhandene Blasenprobleme bessern sich im Verlauf. Häufig gelingt es, innerhalb von Monaten durch zusätzliches Beckenbodentraining, das Gewebe wieder zu straffen und auf einen kleineren Pessar zu wechseln.

Was ist das?
Von Belastungsinkontinenz spricht man, wenn es zu einem unwillkürlichen Urinverlust bei körperlicher Belastung kommt.
Was sind typische Beschwerden?
Urinabgang (Tröpfchen bis Strahl) beim Husten, Niesen, schweren Heben, Sport o.ä..
Warum habe ich das?
Ursächlich ist ein ungenügender Harnröhrenverschluss. Dieser wird insbesondere durch eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur z.B. durch Geburten, Östrogenmangel, Adipositas oder eine Senkung begünstigt.
Was kann ich selber tun?
Durch Gewichtsreduktion, Beckenbodengymnastik und Stuhlregulation lässt sich oft schon eine Besserung der Beschwerden erreichen.
Wie kann man das darüberhinaus behandeln?
Einer Vielzahl der Patientin kann schon durch intensives Beckenbodentraining, Elektrostimulation und Biofeedback geholfen werden. All diese Behandlungen bewirken eine Stärkung der Beckenbodenmuskulatur und somit auch des Verschlussmechanismusses der Harnröhre. Führen diese konservativen Behandlungen nicht zu einer Besserung der Beschwerden, gibt es die Möglichkeit operativ die Blase anzuheben (Kolposuspension nach Burch) oder die Harnröhre durch Einlage eines sogenannten spannungsfreien Bandes (TVT oder TVT-O) zu unterstützen, wodurch jeweils der Harnröhrenverschluss verbessert wird.
Sollte zusätzlich eine Senkung vorliegen, muss man diese zeitgleich z.B. durch eine Pessareinlage oder operative Korrektur beheben, da sie mitursächlich ist für den mangelnden Harnröhrenverschluss.

Was ist das?
Von einer Urgesymptomatik spricht man, wenn jemand unter häufigem Harndrang leidet. Bei einer Urgeinkontinenz kommt es zusätzlich zum unwillkürlichen Urinverlust, wenn man dem Harndrang nicht sofort nachgeben kann.
Was sind typische Beschwerden?
Häufige Harndrang, der dazuführt, dass man meist alle 1 max. 2 Stunden eine Toilette aufsucht. Meist kommt es schon zum Urinverlust bevor die Toilette erreicht wird. Viele Patientinnen müssen auch nachts ein- bis mehrmals zur Toilette.
Warum habe ich das?
Chronische Entzündungen der Harnwege oder der Blase, Stress, empfindliche Schleimhäute aufgrund eines Östrogenmangels oder einer andauernden Reizung durch eine Senkung führen zu einer zunehmenden Überaktivität des Blasenmuskels.
Was kann ich selber tun?
An erster Stelle: Geduld bewahren! Die Dranginkontinenz ist eine über Jahre entstehende Erkrankung und daher dauert es oft auch länger, bis dass eine deutliche Beschwerdebesserung erreicht werden kann. Zum
Ausschluss schwerwiegender Ursachen (chronische Entzündungen, Tumoren etc.), welche zwar selten sind, aber möglichst frühzeitig erkannt werden sollten, müssen Sie auf jeden Fall Ihren Arzt aufsuchen. Darüberhinaus sollten Sie mindestens zwei, besser 3 Liter Flüssigkeit am Tag zu sich nehmen. Am einfachsten lässt sich dies realisieren, wenn man sich stündlich ein Glas einschenkt und dass über die nächsten Stunde verteilt trinkt. Darüberhinaus können Sie ihre Blase trainieren, wieder grössere Urinmengen zu speichern (siehe auch Blasentraining).
Wie kann man das darüberhinaus behandeln?
Als erstes gilt es Auslöser wie Entzündung, Polypen, Tumoren, Verengungen etc. der Harnwege oder der Blase auszuschliessen oder zu behandeln. Darüberhinaus kann man die Überaktivität des Blasenmuskels, die den häufigen Harndrang und ggf. Urinverlust verursacht durch Medikamente senken. Diese wirken jedoch nicht von heute auf morgen, sondern müssen mindestens vier Wochen lang eingenommen werden, um einen Behandlungserfolg beurteilen zu können.

Begriffserklärungen der Urogynäkologie:

Wird vor allem Patientinnen mit einer Urgeinkontinenz empfohlen. Beim Blasentraining gib man dem Harndrang nicht sofort nach, sondern verzögert den Gang zur Toilette zunächst um 10-15 Minuten. Nach einigen Tagen erhöht man das Zeitintervall auf 20-30 Minuten. Ziel ist es die Blase soweit zu trainieren, dass die durchschnittliche Harnmenge pro Blasenentleerung mindestens 300 ml beträgt.

Der Beckenboden ist eine Platte aus Muskulatur und Bindegewebe, die den unteren Abschluss des Bauchraumes bildet. Durch eine Schwächung des Beckenbodens z.B. durch Geburten, viele schwere hebende Tätigkeiten, Adipositas, mangelndes Training kommt es zur Senkung von Gebärmutter, Blase und Darm oder einem mangelnden Harnröhrenverschluss mit Urinabgang z.B. beim Husten, Niesen etc.

Durch spezielles Training, am Anfang am Besten unter physiotherapeutischer d.h. krankengymnastischer Anleitung, kann man den Beckenboden wieder wahrnehmen, durch Training straffen und somit zumindestens eine Besserung z.T. sogar ein Verschwinden der Senkungsund/oder Inkontinenzbeschwerden bewirken.

Von Belastungsinkontinenz spricht man, wenn es zu einem unwillkürlichen Urinverlust bei körperlicher Belastung kommt. Typisch ist der Urinabgang (Tröpfchen bis Strahl) beim Husten, Niesen, schweren Heben, Sport o.ä.

Wird vor allem im Anschluss an eine Elektrostimulationstherapie eingesetzt. Meist ist das Gerät das gleiche. Während der willkürlichen Anspannung der Beckenbodenmuskulatur bekommt man entsprechend der Stärke der Anspannung ein akustisches oder visuelles Signal. Durch diese Rückmeldung (Feedback) lernt die Beckenbodenmuskulatur gezielt und effektiv anzuspannen.

Von einer Dranginkontinenz spricht man, wenn jemand unter häufigem Harndrang leidet und es zum unwillkürlichen Urinverlust kommt, wenn man diesem Harndrang nicht sofort nachgeben kann.

Ziel dieser schmerzlosen Behandlung ist eine gezieltes Training der erschlafften Beckenbodenmuskulatur. Mithilfe eines handgrossen Gerätes und einer Elektrode, welche in die Scheide eingeführt wird, erfolgt eine Stimulation der Beckenbodenmuskulatur, wodurch diese trainiert wird und im weiteren Verlauf auch wieder besser bewusst angespannt werden kann.

Hierbei geht Urin nicht über die Harnröhre ab, sondern durch z.B. nach Operationen oder Bestrahlungen entstandene Verbindungsgänge (sog. Fisteln) z.B. zwischen Blase und Scheide ab. Typischerweise tröpfelt der Urin kontinuierlich durch diese nach außen.

Trotz Harndrang kann kein Urin gelassen werden. Ursächlich kann z.B. eine Abknickung der Harnröhre im Rahmen einer Senkung sein. Mischharninkontinenz
Hierbei liegen die typischen Beschwerden einer Belastungs- und Dranginkontinenz gemeinsam vor, wobei jedoch oft ein Symptomkomplex überwiegt.

Ein Pessar in Würfel- oder Ringform wird bei einer Senkung tagsüber in die Scheide eingelegt, um die Gebärmutter, Blase und den Enddarm wieder anzuheben.

Von einer Rektozele spricht man, wenn sich die Scheidenhinterwand mit dem dahinterliegenden Darm vorwölbt. Geht häufig mit Stuhlentleerungsstörungen einher.

Wenn der Urin aufgrund eines mechanischen Hindernisses oder anatomischen Defektes nicht richtig aus der Blase ablaufen kann, wird die Blasenwand durch die zunehmende Restharnmenge überdehnt. Es kommt zum Urinverlust wenn die maximale Blasenkapazität überschritten wird.

Von einer Zystozele spricht man, wenn sich die Scheidenvorderwand mit der dahinterliegenden Blase vorwölbt.

Dr. med. Udo Schwenk
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Dr. med. Udo Schwenk

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